2017 malkemus

2017 • Kunst

Wilhelm Malkemus

Bebra 1937

www.wilhelm-malkemus.de



Wilhelm Malkemus

Laudatio auf Kulturpreisträger Wilhelm Malkemus

Es ist mir eine Ehre, Ihnen anlässlich der Verleihung des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises den Künstler Wilhelm Malkemus vorzustellen. Wilhelm Malkemus ist Grafik-Designer und Maler. Dieser Blick auf einige Stationen seines Schaffens soll dazu beitragen, dass Sie sich ein Bild des Künstlers machen können.
Für Wilhelm Malkemus ist die heutige Verleihung des Kulturpreises des MKK eine große emotionale Erfahrung. Er erfährt dadurch hohe Anerkennung und Bestätigung. Ein großes Ereignis, das er zu schätzen weiß. Vorgeschlagen für die Ehrung wurde er von Gerhard Müller. Der Kunstpädagoge und Schulleiter im Ruhestand ist selbst intensiv künstlerisch aktiv.
80 Jahre konnte er im Februar feiern. Eine Einzelausstellung über sein Lebenswerk fand im Rahmen des 29. Wächtersbacher Kunstsalons statt. Wilhelm Malkemus stellte dafür rund 100 ausgewählte Schätze aus seinem Fundus aus. Vervollständigt wurde die Werkschau seines Lebenswerkes mit Leihgaben der neuen Besitzer.
Zahllose Entwürfe für Flyer und Plakate stammen von ihm. Seine „Handschrift“ ist unverkennbar. Wo er sein Malwerkzeug ansetzt, entstehen Kunstwerke und identitätsstiftende Symbole von überzeugender Aussagekraft. Wie ein ehemaliger Kollege kürzlich etwas neidvoll anmerkte: „Wo andere sich plagten, ging Wilhelm die jeweilige Sache leicht von der Hand!“
Wilhelms Vielseitigkeit ist bemerkenswert.  Auch die Bildhauerei interessierte ihn. Er stellte aber bei näherer Betrachtung fest, dass das kein „Brotberuf“ ist, eher Knochenarbeit! Brilliert hat er als Maler, als Grafikdesigner, Bühnenbildner, Karikaturist, Zeichner und Portraitmaler. Unterschiedlichste Vereine, Institutionen und Anlässe (Messe Wächtersbach, Stadtwappen, Kirchentag, Karneval, usw.) kamen in den Genuss seiner Kunst.  
Viele seiner Signets und Logos dürften Ihnen bekannt sein. Sie sind meisterlich, zeitlos und gleichzeitig zeitgemäß. Ihr Wiedererkennungswert dokumentiert ihre hohe Qualität!

 

Wilhelm Malkemus – seine Jugend – die Neunzehnfünfziger

Wilhelm musste um das Kunststudium kämpfen. Sein strenger Vater, Bahnbeamter im Höheren Dienst, lehnte es strikt ab, seinen minderjährigen Sohn in eine „brotlose Kunst“ zu entlassen. Nach den Jahren der Entbehrung suchten die Menschen Sicherheit. Der Zweite Weltkrieg hatte Spuren hinterlassen, in den Köpfen, in Denkweisen und im alltäglichen Umgang. Es war auch die Zeit, als Wilhelm und seine Freunde von brachliegenden Äckern Reste (noch) nicht explodierter Metalle sammelten. Themen der Zeit waren die neue Wehrpflicht, Elvis, Halbstarke usw. Wilhelms Kindheitserinnerungen sind zudem eng mit dem Schnauben, Dampfen und Pfeifen der Züge im Schienenkreuz Bebra verbunden.
Letztlich wurde in der Familie ein Kompromiss geschlossen. Die Kunstschule sollte warten! Wilhelm erlernte zunächst das Malerhandwerk, samt Schrift- und Schildermalerei. Mit dem Gesellenbrief durfte er sich dann endlich bei der Staatlichen Werkkunstschule Kassel bewerben. Er bestand die Aufnahmeformalitäten für Begabte und wurde zum Studium zugelassen.

 

Ein interessantes Institut: Die Kunsthochschule Kassel

Hier lehrten schon im 18. Jh. bedeutende Künstler: wie Johann Heinrich Tischbein der Ältere, genannt der Kasseler. Unter Wilhelms Professoren waren bedeutende Künstler wie Jupp Ernst (Werkbund, Afri-Cola Flasche), Karl Oskar Blase (Briefmarken, Filmplakate) sowie Zeitgenossen des documenta-Impulsgebers Arnold Bode. Mit etwa 1000 Studierenden und der herausragend hohen Anzahl von insgesamt 13 Werkstätten, setzt die Kunsthochschule die Traditionen des Bauhauses fort, in der handwerkliche und künstlerische Kompetenzen konstruktiv miteinander verbunden werden.

 

Wilhelm Malkemus -  der Berufsweg

Fünf Jahre studierte er in Kassel Malerei, Schriftgestaltung und Grafik-Design. 1963 schloss er mit dem Diplom als „Gebrauchsgrafiker“ ab. Mit seiner fundierten Ausbildung fand Wilhelm Malkemus schnell eine Anstellung. Seine Themen: Corporate Design, Plakate, Prospekte, Bühnenbilder, Fotografie, Ausstellungsgestaltung.

  • Direkt als Art Direktor nach Südafrika zu gehen, lehnte er ab.
  • Konrad Zuse (1910-1995), Wilhelms erster Arbeitgeber, baute den ersten funktionsfähigen Computer, und das schon 1941! Er war Vorreiter der binären Digitalisierung. Zuse scheiterte am Finanzmanagement und der Übermacht von IBM.
  • Wilhelm entfaltete seine Kreativität. Er wurde für die AEG-Telefunken in Frankfurt tätig. 14 Jahre als Atelierleiter, Grafiker und Artdirektor folgten. Furore machte er 1973 mit einer AEG-Plakat-Aktion zum Thema Umwelt. Er war seiner Zeit weit voraus.
  • Am 1. Oktober 1980 übernahm er die Öffentlichkeitsarbeit für das Straßenbauamt Hessen.
  • Zur Stadt Frankfurt wechselte er 1989, wo er bis zu seiner Pensionierung 2002 blieb. Diese Jahre sind ihm immer noch in bester Erinnerung. Hier konnte er weiterhin seine künstlerischen Ideen und Fähigkeiten dienstlich ausleben. „Das war eine tolle Zeit, wir haben großartige Sachen gemacht.“ erinnert er sich.

 

Bedeutende Auszeichnungen begleiteten seinen Lebensweg

  • Schon 1964 waren einige seiner Arbeiten auf der documenta III in Kassel zu sehen.
  • Auszeichnung Grafic-Design Deutschland: 1967, 1972, 1973, 1974.
  • Weitere Auszeichnungen unter anderem: „Who is Who in German Design“; 1978 Dokumentationsstelle Centre George Pompidou.
  • Er ist Kulturpreisträger der Stadt Wächtersbach.

 


Wilhelm Malkemus – Persönliches

Wilhelm hat starke private und berufliche Bindungen hier im Kreis, wo er seit 1965 ansässig ist. Geheiratet hat er 1967. Sein Sohn Michael und seine Tochter Christine wurden hier geboren. Seine Frau Inge hatte er bei seinem Bruder Friedrich kennengelernt, der 14 Jahre lang Pfarrer in Aufenau war.
Inge war eine gute Sängerin und eifriges Chormitglied, schon in Konstanz und später nach der Rückkehr in Wächtersbach. Sie unterstützte ihren Mann nach Kräften, auch in seinen künstlerischen Tätigkeiten. Sie war für das Handwerkliche zuständig, blieb aber gerne im Hintergrund. Neben der Hausarbeit bearbeitete sie Wilhelms Dias und half beim Rahmen neuer Bilder! Sie umsorgte ihre Enkelkinder, war eine gute Sängerin und eifriges Chormitglied, schon in Konstanz und später nach der Rückkehr in Wächtersbach. Inge starb 2014. Sie wurde 76.

 

Wilhelm - der Maler

Seine Kunst ist bei Institutionen, Sammlern und Kunstliebhabern geschätzt. Seine Werke leben von der Intensität seiner Begeisterung. In seiner Kunst spiegeln sich seine Gefühlswelt, sein kritisches Denken und seine umfassende Bildung.
Landschaften malt Wilhelm besonders gerne, derzeit mit Ölfarben oder Kohle auf Papier. Ihm gelingt es, seine Gefühle und Erlebtes in Farben sichtbar zu machen. Wolken faszinieren ihn – in der Gewitterfront wie am Abendhimmel. Er liebt die Wolken von Amrum!
In seinen Spätwerken entdeckt er die Faszination flüchtiger Momente, den Reiz der Unaufmerksamkeit und des festgehaltenen Augenblicks. „Verwischtes“ nennt er diese Motive. Seine grafischen Arbeiten, Plakate, Flyer, Kalender - lassen auch heute noch seine sichere Hand und Klarheit erkennen, mit der er Kompositionen, Farben und Linien festlegt.
Wilhelm Malkemus kann auf ein beeindruckendes Lebenswerk zurückschauen. Ihm war es vergönnt, seine (künstlerischen) Leidenschaften im Beruf und im Alltag auszuleben.

 

Sein Motto zum Abschluss

„Man muss sich fortentwickeln, muss immer lernen, nur dann macht man Fortschritte in der Kunst (des Malens).“ Für ihn gilt das immer noch.


Die Laudatio hielt Renate Holzapfel, M.A. (Mitglied der Kulturpreisjury),
16. November 2017, Main-Kinzig-Forum