Freunde der Opernakademie Bad Orb 2019

2019 • Verschiedene

Freunde der
Opernakademie Bad Orb

Bad Orb 2001

www.Opernakademie.com



Freunde der Opernakademie Bad Orb

Laudatio auf Kulturpreisträger Freunde der Opernakademie Bad Orb

Im Rahmen von Kulturveranstaltungen betone ich immer wieder gerne, dass gute Kultur nicht den Teppich der Großstadt braucht. Die Opernakademie Bad Orb und die dahinter stehenden Freunde der Opernakademie sind dafür der beste Beweis.

Es ist mir eine große Freude, heute anlässlich der Kulturpreisverleihung des Main-Kinzig-Kreises über die Freunde der Opernakademie zu sprechen. Die Bad Orber Opernakademie ist eine in Musikkreisen hochgeschätzte und gelobte Plattform für die Nachwuchsförderung an den Opernhäusern. Es gibt sie seit 1987.

Jährlich bewerben sich weit über 300 junge Sängerinnen und Sänger, aus vielen Teilen Europas, aus den USA, aus Russland, den Bahamas, eigentlich aus der ganzen Welt. Die Opernakademie verbindet, überwindet Grenzen und führt Menschen zusammen! Jedes Jahr wird unter der Leitung professioneller Opernfachleute eine Oper von höchster Qualität präsentiert.

Die 33. Inszenierung mit „Figaros Hochzeit“ war vor wenigen Monaten wieder ein ganz besonderes Erlebnis, dem ich beiwohnen durfte. Aufgrund der hohen Qualität der Darbietungen und der hervorragenden Spielfreude der Akteure sind die Aufführungen auch weit über die Grenzen der Kurstadt hinaus geschätzt. Denn hier wird – unter Leitung professioneller Fachleute – jedes Jahr eine Oper präsentiert, an der lange und mit Leidenschaft gefeilt wurde. Von der „Zauberflöte“ über „La Bohème“ bis zu „Carmen“ hat die Akademie über die Jahre ihres Bestehens unzählige Klassiker aufgeführt.

Das Besondere dieser Aufführungen ist das Konzept: Junge Nachwuchssängerinnen und -sänger nehmen unter idealen Bedingungen an einer Arbeitsphase von fünf Wochen und an drei öffentlichen Aufführungen mit Orchester teil – und die Besucher können einen wahren Ohrenschmaus genießen.

Für Anhänger der traditionellen Oper oder neugierige Kulturfreunde ist die Opernakademie Bad Orb immer wieder ein erfrischendes Angebot. Mit Herz, Arbeit und noch viel mehr Engagement begeistern die Akteure alljährlich ihr Publikum. Denn es ist jedes Mal ein wunderbares Erlebnis, wenn aus einer Idee schließlich die fühlbare Wirklichkeit wird.

Die künstlerische Gesamtleitung und Inszenierung lag von 1990 bis 2013 in den bewährten Händen von Kammersänger Carlos Krause, dem 2004 der Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises verliehen wurde. 2013 beendete Carlos Krause sein Wirken bei der Opernakademie Bad Orb, nachdem er 24 Jahre lang vielen Sängern den Weg in eine große Zukunft geebnet und die Opernakademie Bad Orb deutschlandweit zu einer bekannten und geschätzten Institution zur Förderung des Sängernachwuchses gemacht hatte. Ab 2013 übernahm Michael Millard die Gesamtleitung, der bei der Gründung der Opernakademie 1987 bereits mitwirkte und für die musikalische Leitung verantwortlich war. Erik Biegel, als neuer Regisseur, entwickelte das Konzept weiter und begeisterte mit seinen Inszenierungen, um dabei gleichzeitig dem Motto der Opernakademie, nämlich der Förderung des Sängernachwuchses, treu zu bleiben. Aktuell haben Michael Millard und Erik Biegel gemeinsam die Gesamtleitung inne.

Die Bad Orber Opernakademie ist, wie sich seit ihren Anfängen im Jahre 1987 gezeigt hat, ein wichtiges Sprungbrett, das zahlreichen Akteuren den Eintritt in das Berufsleben ermöglicht. Die Anzahl der Bewerber nimmt von Jahr zu Jahr zu, weil die jungen Sängerinnen und Sänger den hohen Ausbildungsstandard zu schätzen wissen. Es ist bekannt, dass Opernintendanten die Opernakademie inzwischen als Schmiede qualifizierten Nachwuchses sehen und die Opernaufführungen besuchen, um persönliche Eindrücke zu gewinnen und Solisten zu engagieren.

Um den Weiterbestand der Opernakademie zu sichern, wurde 2001 in Bad Orb der "Verein der Freunde der Opernakademie Bad Orb" gegründet. Dieser Förderverein fungiert als Veranstalter der jährlichen Produktionen, die von ihm finanziert werden. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten sind Mitglied dieses mittlerweile aus mehr als 400 Mitgliedern bestehenden Fördervereins.

Beispielhaft möchte ich hier Prof. Dr. Karin Metzler Müller, Vorsitzende des Fördervereins, mit dem Vorstandsteam Hans Georg Göbbels, Traudel Schubert, Manfred Woll und Heike Schneeweis sowie Norbert Hartmann nennen. Sie akquirieren kostenfreie Unterkünfte für die Solisten und stellen eigene Wohnungen für die fünfwöchige Probenzeit zur Verfügung. Die etwa 45 Orchestermusiker müssen 10 Tage kostenfrei untergebracht werden. Flyer, Plakate, Presseartikel, Programmhefte müssen konzipiert, verteilt und veröffentlicht werden. Außerdem sorgen sie sich um Bühnenaufbau und Requisiten.

Kostüme für die Mitwirkenden werden in Eigenarbeit von weiteren Helfern gefertigt und letztendlich wollen so viele Menschen auch verpflegt werden. Es gibt also das gesamte Jahr über alle Hände voll zu tun und alle packen mit an. Drei volle Häuser (mit jeweils knapp 900 Besuchern) werden benötigt, um einen Großteil der jährlichen Produktionskosten einzuspielen. Für das Defizit werden Sponsoren gesucht und gefunden, dafür sorgt insbesondere der Kuratoriumsvorsitzende Gerhard Heim.

Insgesamt 30 aktive Helfer und Helferinnen sind für den Erfolg einer Inszenierung zuständig, und alle arbeiten ehrenamtlich und ohne Aufwandsentschädigung. Neben den jährlich stattfindenden Aufführungen im August veranstaltet die Opernakademie zusätzlich einen musikalischen Jahresausklang und auf Einladung des Fürstenhauses von Isenburg ein Benefizkonzert im Schloss Birstein.
Außerdem wird „Nachwuchsarbeit“ geleistet: Etwa 100 Kinder aus den drei Bad Orber Kindergärten, Schülerinnen und Schüler der Schulen aus dem Main-Kinzig-Kreis werden zu den Proben bzw. der Generalprobe eingeladen; zusätzlich gibt es im Rahmen des Kinderkultursommers Main-Kinzig-Fulda ein weiteres Angebot für die Kleinen, die einen Blick hinter die Kulissen werfen können, natürlich auch dies verbunden mit zusätzlicher Organisationsarbeit.

Wir leben in einer Gesellschaft, die nach ihrer Identität sucht; Kunst kann der Gesellschaft Tiefe geben und gerade die Oper bietet einen Streifzug durch die gesellschaftliche und politische Geschichte, denn sie sind immer auch ein Spiegel ihrer Zeit, in der sie geschrieben wurden.

Es ist wie bei einem Schaufensterbummel: Es fing 1987 mit der „Hochzeit des Figaro“ an, die im Lauf der Jahre noch zwei weitere Male inszeniert wurde. Man kann sagen, dass fast alle bekannten und gängigen Opern inszeniert wurden, die besonders für die Nachwuchsdarstellerinnen und -darsteller geeignet und in der Konzerthalle Bad Orb aufführbar sind. Beispielhaft sind hier zu nennen: „Die Zauberflöte“, „Der Barbier von Sevilla“, „Die Entführung aus dem Serail“, „Don Giovanni“, „Die lustigen Weiber von Windsor“, „La Bohéme“, „Die Fledermaus“, „Der Wildschütz“, „Hänsel und Gretel“, „Der Freischütz“, „Die verkaufte Braut“, „Carmen“, „Zar und Zimmermann“, „Fidelio“ oder „Hoffmanns Erzählungen“ .

War es zu Zeiten der Entstehung der Opern und über viele Jahre hinweg nur einer Elite möglich, deren Aufführungen beizuwohnen, ist der Besuch einer Oper heute einem breiten Publikum möglich und wir sind besonders stolz darauf, so hochkarätige Inszenierungen in Bad Orb erleben zu dürfen.

Und spätestens, wenn sich in der Bad Orber Konzerthalle der Vorhang für die Aufführungen der Opernakademie öffnet, ist die Kurstadt auch Kulturhauptstadt des Main-Kinzig-Kreises. Und dies ist in besonderer Weise den Freunden der Opernakademie zu verdanken!

Daher freue ich mich sehr, den Förderverein heute Abend mit dem Sonderpreis des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises zu ehren und bitte Frau Prof. Dr. Karin Metzler-Müller, Traudel Schubert, Heike Schneeweis, Hans Georg Göbbels und Manfred Woll sowie Norbert Hartmann zu mir.

Die Laudatio hielt Landrat Thorsten Stolz (Mitglied der Kulturpreisjury),
12. November 2019, Main-Kinzig-Forum